Ziel von Dynamic Facilitation ist es, Handlungsspielräume für vertrackte, emotionsgeladene Probleme, Krisen und Konflikte zu finden. Die Lösungen werden von der Gruppe gemeinschaftlich erarbeitet. Ein Thema kreist solange in der Runde, bis ein Durchbruch gelingt.
Die Moderation gibt den Teilnehmendenn dabei Raum, ihre Gedanken auszusprechen, lockt sie durch Rückfragen aus der Reserve – ohne die Aussagen zu werten. Konkret werden auf vier Flip-Charts alle Redebeiträge den Bereichen „Bedenken“, „Infos und Daten“, „Probleme“ und „Lösungen“ zugeordnet. Die dabei entstehende Themen-Landkarte macht die Vielfalt an Meinungen sichtbar.
Selbst wenn sich in zeitweisem Chaos Lösungseuphorie, Kritik und Ängste wild durchmischen, sichert die Moderation dieses Spannungsfeld als einen Raum, der zu kollektivem Erkenntnisgewinn und zum eigentlichen Thema hinter der Ausgangsfrage führt. Begründer dieser Methodik ist der US-Amerikaner Jim Rough, der einen Weg gesucht hat, um auch die scheinbar unlösbaren Probleme anzugehen
DF kann überall dort angewendet werden, wo es darum geht, festgefahrene Probleme zu lösen, kreative Lösungen zu finden und Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen. Es hat sich bereits in demokratischen Prozessen, Organisationen, Bildungssettings und sogar in der Kunst- und Wissenschaftswelt bewährt.
Anwenungsgebiete
1. Bürgerbeteiligung / partizipation
- Bürgerinnen-Räte / Bürgerräte – Zufällig ausgewählte Gruppen erarbeiten innovative Lösungen und neue Narrative.
- Beteiligungsprozesse auf kommunaler, regionaler oder nationaler Ebene – DF kann in Städten, Gemeinden oder Staaten eingesetzt werden, um Bürgerinnen und Bürger aktiv in die Gestaltung von Politik einzubeziehen.
- Konfliktlösung zwischen Bürgergruppen und Regierung – DF kann Brücken zwischen verschiedenen Interessensgruppen bauen, indem es Raum für neue Perspektiven schafft.
- Der Einsatz in Beteiligungsverfahren stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt in dem es dem »Wir« eine Stimme gibt. Es lässt die Bürger:innen ihre eigene Problemlösungskompetenz erfahren und stärkt somit die Zivilgesellschaft.
2. Organisationen & Unternehmen
- Strategieentwicklung und Innovation – Unternehmen können DF nutzen, um sich aus festgefahrene Situationen zu lösen oder Innovationsprozesse zu starten.
- Teamentwicklung und Konfliktlösung – In Teams mit Spannungen oder Kommunikationsproblemen kann DF helfen, tieferliegende Ursachen aufzudecken und kreative Lösungen zu finden.
- Transformation und Change-Management – Organisationen, die einen tiefgehenden Kulturwandel anstreben, können DF nutzen, um Widerstände wertschätzend aufzunehmen und neue Wege zu entwickeln.
- Unternehmen und gerade auch große Organisationen können DF einsetzen, um gemeinsam Strategien zu entwickeln, Stakeholder einzubeziehen und langfristige Lösungen zu schaffen.
3. Bildung & Forschung
- DF kann in Seminaren oder interdisziplinären Forschungsgruppen genutzt werden, um komplexe Probleme zu durchdringen.
- Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern können DF verwenden, um Schulentwicklung zu gestalten oder Konflikte zu lösen.
5. Gesundheitswesen & Soziale Arbeit
- Kliniken und Pflegeeinrichtungen – DF kann Teams helfen, Lösungen für Herausforderungen im Gesundheitssektor zu finden.
- Psychosoziale Arbeit und Therapiegruppen – Die Methode kann in Selbsthilfegruppen oder therapeutischen Settings angewendet werden, um gemeinsam neue Wege zu finden.
- Sozialprojekte und Gemeinwesenarbeit – DF kann genutzt werden, um in sozialen Brennpunkten oder Nachbarschaftsprojekten neue Perspektiven zu entwickeln und Menschen einzubinden.
6. Wissenschaft & Technologie
- DF kann helfen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen zusammenzubringen, um interdisziplinäre Forschungsfragen zu entwickeln.
- Künstliche Intelligenz und Ethik – DF könnte genutzt werden, um ethische Fragen rund um künstliche Intelligenz und Technologieentwicklung zu behandeln.
- Innovationsprozesse – Forscherinnen und Forscher können DF nutzen, um bahnbrechende Ideen zu entwickeln und traditionelle Denkmuster zu hinterfragen.